spitzer Widerruf zu einem bissigen Nachruf

Mit einem sarkastischen Nachruf in einem Leserbrief an die Sächsische Zeitung vergießt ein einzelner Striesener Krokodilstränen, weil nun endlich altes Unrecht beendet wird. Als jugendlicher Teenager wurde die „Nacksche“ aus dem Kreise ihrer Freunde gerissen und vom ver-eingemeindeten Niedersedlitz ins übermächtige Dresden verbracht. Im fernen Striesen wurde die Beute zur Schau gestellt, so lange, dass man heute dort meint, sie hätte „dort schon immer ihren Platz“ gehabt. Und auch wenn man dort den Verlust der Nachkriegstrophäe beklagt, so bleibt doch festzustellen, dass die „Nacksche“ in der Fremde ein bedauernswertes Leben führen musste. Vereinsamt hockte sie auf einer kargen Fläche zwischen Häuserschluchten, den Dreck der vorbeiführenden Hauptstraße schluckend und den Blick sehnsüchtig ihrer alten Heimat zugewandt. Angeblich so beliebt, hat sie seit ihrer Verschleppung schwere Schäden davongetragen, festgekettet auf einem brüchigen Sockel, von Rissen durchzogen und mit abgeschlagener Nase. Ihre wahren Freunde gönnen ihr nun erst einmal eine Schönheitskur, bevor sie dann ihr weiteres Leben in der vertrauten Umgebung ihrer Jugend genießen kann.
Die Niedersedlitzer haben in all den Jahren ihre „Nacksche“ nicht vergessen, auch wenn die Zwangsadoption als „Frau Hepke“ ihre Herkunft verschleiern sollte. Und so waren es nicht „westliche Großvermieter“, sondern zahlreiche lokale Gewerbetreibende und viele Niedersedlitzer Einwohner, die mit ihren Spenden und ihrer Unterstützung diese Rückkehr ermöglichen – zurück in die Heimat, nicht „heim ins Reich“, wie in so unpassender Wortwahl fabuliert wurde. Die „Nacksche“ braucht auch keinen Mietspiegel anzuheben, hier sind die Grünanlagen noch frei benutzbar. Im Übrigen gibt es schon von Anfang an die Zusage vom Grünflächenamt im Hepkepark eine andere Statue aus dem Bestand der Stadt aufzustellen. Man kann also, statt in Trauer und Wut zu versinken, sich mit Tatkraft für die Neugestaltung seines Parks engagieren, so wie es die Heimatfreunde für ihre „Nacksche“ getan haben. Und wenn sie dann im nächsten Jahr wieder ihren neuen alten Platz in unserer Mitte eingenommen hat, sind die Striesener und Grunaer, so wie alle anderen Dresdener, herzlich eingeladen, sie in ihrer wirklichen Heimat zu besuchen.